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Zeitzeugenbericht

Zeitzeugenbericht der Kasimira R.

Kasimira R. lebte während Ausbruch des Krieges (1939) in einer Kleinstadt bei Lodz, Polen. Sie ging auf ein Gymnasium, auf dem sie Fremdsprachen, unter anderem Deutsch, lernte.
Am 3. September 1939 schlug eine Fliegerbombe im Garten ihres Hauses ein. Sie und ihre Familie verließen zeitweilig den Ort. Bei ihrer Rückkehr waren die Gesetze gegen Juden verschärft worden. Zu dieser Zeit war Kasimira R. 16 Jahre alt und weigerte sich, den Judenstern zu tragen. Da ihr Vater als Berater bei den Deutschen war, kam sie und ihre Familie erst später ins Ghetto jener Lodzer Vorstadt. Dort musste sie 1940 ihre erste Zwangsarbeit leisten, indem sie in einer Fabrik Stoffschuhe für deutsche Soldaten herstellte. 
Eines Tages im Jahre 1941 sahen sie und ihre Mitarbeiterinnen außerhalb des Ghettos einen Mann verwirrt herumlaufen. Er erzählte ihnen, dass er aus einem Konzentrationslager ausgebrochen sei und man dort die Menschen grausam ermorden würde. Dies konnten Kasimira R. und ihre Mitarbeiterinnen nicht glauben. 
Im Ghetto herrschte stets Hunger, es war kalt und jede Familie hatte nur einen Raum zum Wohnen. Die Zustände waren katastrophal. In der Nacht zum 27. August 1942 wurden Kasimira R. und ihre Familie aus den Häusern geholt und mit dem Zug ins Ghetto Lodz gebracht. Dabei verlor sie, bis auf ihre Schwester Tamara , die ganze Familie.
Im Ghetto von Lodz verbrachte sie 2 Jahre ihres Lebens unter mindestens genauso schlimmen Bedingungen wie im vorigen Ghetto. 
Im August 1944 versteckte sich Kasimira R. eines Nachts auf einem Friedhof, um nicht nach Auschwitz geschickt zu werden. Einige Tage später wurde sie jedoch entdeckt und vom Bahnhof Radegast bei Lodz nach Auschwitz - Birkenau gebracht. Dort kam sie nach einer schweren und schrecklichen Reise früh morgens an und wurde vom Nazi-Arzt Mengele an der "Rampe" zum Arbeiten selektiert. 
Sie hauste in einer Barracke mit 1000 anderen Frauen, von denen viele schon extrem geschwächt waren. Kasimira R. erlebte bei ihrer Ankunft, wie eine Insassin zur Strafe stundenlang zwei Kieselsteine hochhalten musste. Da sie dabei nicht zusehen konnte, wollte sie dieser Frau helfen, wurde jedoch von einem Aufseher schwerst auf den Hinterkopf geschlagen. 
Nach einigen Wochen suchten die Lageraufseher 900 Insassen zum Arbeiten in Freiberg aus. Da Kasimira R. und ihre Schwester einen relativ gesunden Eindruck machten, waren sie unter den 900 von 40.000 Menschen. 
Im Arbeitslager Freiberg leistete sie ihre dritte Zwangsarbeit. Unter dem Decknamen "Freia GMBH" leiteten dort die Nazis ein Unternehmen, das Flugzeugteile herstellte. Unter Lebensgefahr sabotierte Kasimira R. an ihrem Arbeitsplatz jene Bauteile. 
Mithilfe ihrer Deutschkenntnisse wurde sie dort auch als Schreiberin von Aufsehern eingesetzt. Sie lernte dabei zwei Männer kennen, die ihr und anderen Insassen in dieser Zeit halfen. Einer von ihnen bot ihr an, auf der Fahrt nach Mauthausen bei Dresden den Waggon unauffällig zu verlassen und die Familie jenes Herren aufzusuchen. Doch da der Gesundheitszustand von Kasimira R.'s Schwester kritisch war, entschied sie sich, bei ihr zu bleiben. 
Ende April 1945 wurden sie und ihre Schwester nachts ins Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Durch einige Verzögerungen auf dem Weg kam Kasimira R. allerdings 2 Tage zu spät an. Somit entsandte man sie nicht mehr zu den Krematorien (Gaskammern). In Mauthausen blieb sie einige Wochen, bis sie am 6. Mai 1945 von den Amerikanern befreit wurde.           

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